Rente mit 40

Ob „Die Rente“ sicher ist, die Betriebsrente etwas bringt oder die Lebensversicherung pleite ist? Manchen Leuten sind solchen Fragten schlicht egal. Sie machen sich ihre eigene Altersversorgung und gehen in Rente, wann sie es wollen. Zum Beispiel mit 40 – in Worten: vierzig. Wir erzählen und rechnen gemeinsam das Beispiel eines jungen, real existierenden Menschen durch, der im Alter von 27 Jahren beschlossen hat, mit 40 in Rente zu gehen. Ob das geht?

Kürzlich stießen wir auf den lesenswerten Blog von Oliver Noelting. Er ist 29 Jahre jung und will mit 40 (in Worten: vierzig) in Rente gehen. Noelting ist ein sogenannter Frugalist, ein Mensch, der sein Leben ohne aus seiner Sicht übertriebenen Konsum, vor allen ohne etwaig empfundenen Verzicht, genießen kann. Kürzer gesagt: Der Mann braucht nicht viel Geld, um glücklich zu sein. Er will, statt dem Konsum zu frönen, lieber mit 40 in den Ruhestand gehen. Deshalb spart Noelting seit zwei Jahren – da war er 27 – Geld für seinen persönlichen Vorruhestand an.

Von der Textaufgabe zum Rechenwerk

Nehmen wir einmal den Musterfall Oliver Noelting oder jeden anderen 27-jährigen Menschen, der nach 13 Jahren sparen mit 40 in Rente gehen will. Im Alter von 27 Jahren beschließt ein Selbstständiger, früher in Rente zu gehen. Das Alter 40 ist das Ziel für seinen frühen Ruhestand. Freelancer zahlen zwar keine Beiträge in die staatliche Rentenkasse ein; wohl aber Steuern ans Finanzamt und Beiträge an die Krankenkasse.

Unterm Strich landen beim freiwilligen Frührenten-Sparer jeden Monat 2.500 Euro netto auf seinem Bankkonto. 1.500 Euro davon legt er beiseite und füllt damit Aktienfonds. Ihm bleiben 1.000 Euro. Mehr braucht es zum Leben nicht, sagt Noelting – für Wohnen, Essen und die Monatskarte für Bus und S-Bahn. Ein Auto: nicht nötig. Jedenfalls nicht für Noelting, auch nicht immer für Großstädter. Aber es geht hier gar nicht um persönliche Einstellungen zum Konsum, sondern schlicht um Mathematik und Zinsen.

Das Ziel sind 1.000 Euro Rente ab einem Alter von 40 Jahren

Nach Abzug seiner Kosten bleibt unserem Mustersparer ein „Rest“ von 1.500 Euro, die jeden Monat in Aktien-ETFs anlegt werden. Aus diesen Sparraten werden bei einer (Aktien-) Rendite von 6,5 Prozent in 13 Jahren und wenn der Anleger seine Sparrate pro Jahr mit 1,5 Prozent (Inflation) anhebt, gut 350.000 Euro Endkapital. Das ist der Kapitalstock für den dann immer noch jungen Rentner, der ab Alter 40 in seinen selbst gemachten Ruhestand tritt.

Inflation? Bezahlt

Nun kommt die Frage, wieviel Geld der vierzigjährige Neu-Rentner jeden Monat zum Leben benötigt. Sein Ziel sind 1.000 Euro, das entspricht sein heutigen Monatsbedarf – soviel ist klar. Aber wieviel Geld braucht der Rentner später mit 40, wenn die Inflation während der Ansparzeit bis zum Rentenbeginn 13 Jahre lang mit 1,5 Prozent zugeschlagen hat? Es sind rund 1.200 Euro als Startbetrag mit 40 nötig. Und wieviel Rente werfen gut 350.000 Euro Vermögen pro Monat ab? Es sind ebenfalls rund 1.200 Euro. Passt!

Steuern? Bezahlt

Der Rentenbetrag von 1.200 Euro wurde für 50 Jahre (von Alter 40 bis zum Tod mit 90) kalkuliert. Außerdem wurden 50 Jahre lang 1,5 Prozent steigende Preise in dem hier gezeigten Sparmodell eingerechnet. Auch sind die 1.200 Euro Rente ab 40 bereits das Steuer-Netto, weil hier 25 Prozent Kapitalsteuer plus Soli bereits abgezogen sind. Unser Rechenwerk beinhaltet steigende Preise und die fälligen Steuern. Die angezielte und erreichte Rente ist also ein echter Nettobetrag in Höhe von 1.200 Euro ab Alter 40, der zudem jedes Jahr um 1,5 Prozent steigt. All in!

6,5 Prozent Rendite?

Unser Mustersparer investiert 13 Jahre in Aktien. Dazu nur eine von vielen Quellen zu Aktienrenditen, wenn der Anlagezeitraum lang genug ist. Der „Versicherungsbote“: „Wer beliebige 15 Jahres-Zeiträume in den MSCI World investiert hat, hätte im Schnitt 7,7 Prozent jährliche Rendite erzielt und zu keinem Zeitpunkt einen Verlust erlitten“. Wir haben bei unserem Sparmodell mit geringeren 6,5 Prozent Rendite gerechnet.

Wie setze ich das ganze um?

Beim Investieren an sich stellt sich die Frage nach dem Wie und Wo. Unser Sparer kann selbst investieren oder die Anlageentscheidung Profis überlassen. Wem das Heraussuchen geeigneter Aktien, Fonds oder ETFs zu aufwändig ist, dem empfehlen wir, ein Depot bei einem der zahlreichen Robo-Advisor zu eröffnen, welche in seinem Namen die Anlageentscheidung anhand definierter Kriterien wie Anlagedauer und Risikobereitschaft vornehmen. Einen Überblick über diese Robo-Advisor liefert der nachfolgende Vergleich:


Autor: Markus Rieksmeier


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